• Dr. Engelbert Ruoss

Tourismus - zuviel | zuwenig

Aktualisiert: Aug 8

Zuviel oder zu wenig? Trends erkennen!

Strategische Schlüsselfaktoren in der Besucherlenkung

In den vergangenen Jahren hat „Over/Under Tourism“ zu dramatischen Auswirkungen auf das Kultur- und Naturerbe geführt. Die extremsten Folgen sind:

  • Touristische Destinationen versinken im Besucherstrom und leiden unter negativen Auswirkungen auf das Kulturelle Erbe, belasten die Umwelt und führen zu sozialen Spannungen, speziell auch als Folge des unangemessenen Verhaltens der Besucher.

  • Unbekannte Destinationen mit fehlender touristischer Infrastruktur und Dienstleistungen werden zu Trends und erhalten in wenigen Jahren dank den Medien, speziell dank den ICT Plattformen eine Berühmtheit und werden in kürzester Zeit überschwemmt. Dies hat oft verheerende Folgen für Kultur, Umwelt und Einwohner.

  • Attraktive, aber meist schwach erschlossene Gegenden mit wenig Tourismus kämpfen mit strukturellen Problemen, Abwanderung junger und arbeitsfähiger Bevölkerung und damit an beschleunigter Überalterung. Architektonisches und kulturelles Erbe zerfällt, die wirtschaftliche Basis schwindet und die Landschaft verwildert. Dies führt zu zunehmenden Naturgefahren und zur Erhöhung der Unterhaltskosten. Beispiele sind schwach erschlossenen Gebiete im Alpenraum


Grafik: Präsenz der geographischen Destinationen rund um das Swiss Alps Jungfrau-Aletsch Welterbegebiet (SAJA) aus Social Media. Analysiert April 2019,







Faktoren einer nachhaltigen Tourismus Strategie

Es gilt die langfristige Entwicklung und kurzfristigen Trends rechtzeitig zu erkennen und geeignete Massnahmen zu ergreifen, um verheerende, oft kostspielige Folgen zu verhindern. Die Social Media bieten ideale Instrumente um Tourismus ausgewogen zu entwickeln: einzuschränken oder zu fördern.


Folgende Faktoren sind in einer Tourismus Strategie zu berücksichtigen:

  1. Qualitative und quantitative Ziele: Wieviel Besucher kann Kultur, Natur und Gesellschaft ertragen (Carrying Capacity)? Wieviel Gäste sind minimal notwendig um eine Basis Infrastruktur aufrechtzuerhalten und die Landschaftspflege zu garantieren?

  2. Natürliche lokale Ressourcen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen (Kultur, Infrastruktur, Natur, Gesellschaft, Landschaft) erkennen.

  3. Risikofaktoren: Potentielle Trends, strukturelle Probleme, limitierte natürliche Ressourcen, künftige Gefahren (Klimawandel, Wasserknappheit, Naturgefahren), hohe Präsenz in den Medien

  4. Planen, boebachten und kontrollieren mit Hilfe von Instrumenten der Besuchersteuerung.


Methoden und Umsetzung

Das Institut für ICT Kommunikation der Università della Svizzera Italiana USI hat gemeinsam mit dem "UNESCO Chair in ICT to develop und promote sustainable tourism in World Heritage Sites“ haben eine Methode zur Analyse der Sozialen Medien erarbeitet. Sie setzen ICT Anwendungen gezielt bei der Erarbeitung von Social Media Strategien und den 5W Aktionsplan ein. Das Ziel der Anwendungen ist, Win-Win-Win Situationen zu erzielen, mit neuen Angeboten für Bevölkerung und Gäste sowie der Erhaltung der Natur- und Kulturgüter.


Die ICT Instrumente sind kostengünstige und schnelle Anwendungen, um rechtzeitig Massnahmen zu definieren, umzusetzen und zu kontrollieren. Sie helfen neue Trends und Entwicklungen zu erkennen und Massnahmen zur Förderung oder Limitierung des Tourismus zu ergreifen und sensible Orte zu schützen.


Dr. Engelbert Ruoss, Andela Sormaz

UNeSCO Chair in ICT to develop and promote sustainable tourism in World Heritage sites, USI Lugano

4. August 2020


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